Warum sein Verlust am Ende mein Glück war

Dann kam der Tag, an dem ich mit der Ausbildung anfing. Schon nach wenigen Tagen spürte ich diesen alten, vertrauten Druck in der Magengrube – genau wie damals in der Schule. Verkäuferin sein? Das war ein Fehler. Kein Spaß, keine Freude, nur diese lähmende Lustlosigkeit, die ich schon von meinen Schuljahren kannte. Aber während ich in der Gastronomie wenigstens das Gefühl hatte, gebraucht zu werden, fühlte ich mich hier wieder unsichtbar. Doch Muttern zuliebe blieb ich. Wie immer. Zwei lange Jahre, bis zur Prüfung. So wie ich früher Hausaufgaben machte, die niemanden interessierten. So wie ich mich anpasste, um nicht aufzufallen. Dieses Muster kannte ich nur zu gut.
Mal von dem Job abgesehen, war die Zeit mit der Klasse ansonsten doch schon eine schöne Zeit gewesen. Für mich hätte der Beginn allerdings besser sein können, denn gleich in den ersten Wochen hatte Lukas nach genau zwei Monaten Beziehungszeit mit mir Schluss gemacht. Er meinte: „Da er abends nach Feierabend noch zur Schule gehen würde, könnten wir uns gar nicht mehr sehen“ und hielt es für besser, Schluss zu machen.

Wieder, nachdem gerade alles so schön wurde, brach eine kleine Welt in mir zusammen. Von meiner Freundin erfuhr ich im Nachhinein den wahren Grund, warum er mit mir Schluss gemacht hatte.
Wenn ich an den Wochenenden bei meiner Freundin übernachten durfte, war ich dann mehr bei Lukas als bei meiner Freundin und hatte auch bei ihm geschlafen. Ich war allerdings noch nicht so weit, um mit Lukas zu schlafen, und nur weil ich noch nicht mit ihm schlafen konnte/ wollte, hatte er Schluss gemacht. Als Lukas nach Feierabend bei mir vorbeikam und Schluss machte, meinte Muttern zu mir: „Du brauchst nicht weinen und traurig sein, es gibt noch genug Männer – andere Mütter haben auch schöne Jungs.“
Ich weiß nicht, ob Muttern in dem Moment wirklich verstand, wie sehr mich das traf. Aus heutiger Sicht waren ihre Worte – „Du brauchst nicht weinen“ – der Beginn von „Ich darf keine Schwäche zeigen“. Zumal es nicht nur die Worte waren, sondern auch die gefühllose Art, wie Muttern sie sagte.

Als der Schmerz dann vorbei war, ging ich auch wieder mit meiner Freundin und ihrem Freund Rainer los. Irgendwann hatte Rainer seinen Kumpel Hannes dabei; meine Freundin und Rainer schafften es sogar, uns zu verkuppeln.
Hannes trug eine Brille mit einer stärkeren Sehstärke, also etwas dickeren Gläsern, die man damals gern als Hornbrille bezeichnete. Es gab Arbeitskollegen, die uns irgendwann in der Disco sahen, und als ich am nächsten Tag wieder in den Betrieb kam, fingen die Lästereien an: über Hannes, über seine dicke Brille – alles.
Das nervte mich so sehr, dass ich mich für Hannes schämte. Eine richtige Beziehung? Unmöglich. Ich wollte es nicht, weil ich mich wieder von anderen beeinflussen ließ.

Mit Hannes wurde es nichts. Der Kontakt zu meiner Freundin schlief langsam ein – ich steckte in meiner Ausbildung, sie in ihrer Beziehung mit Rainer. Jedenfalls ging ich bald alleine in die Disco … was Muttern gar nicht recht war.
An meinem ersten Wochenende allein in der Disco traf ich Walter – sympathisch, doch mehr als betrunkenes Knutschen wurde es nicht. Am nächsten Tag tat er, als kenne er mich nicht. Und wieder: Herzschmerz!

Ich habe mich inzwischen so weit entwickelt, dass ich immer versuche, in allen negativen Ereignissen das Positive zu sehen. Erst heute, beim Überarbeiten meines Tagebucheintrags, muss ich feststellen, dass die Trennung von Lukas mein Glück war.
Ich hatte im letzten Beitrag erwähnt, dass in der Beziehung mit Lukas die Blockaden von „ungesunde Bindungsmuster“ vorhanden waren. Heute erkennt man diese daran, dass Lukas meine Grenzen nicht respektieren wollte – da er mit mir Schluss machte, weil ich noch nicht mit ihm schlafen wollte – und er war unehrlich, da er die Ausrede „keine Zeit wegen Schule“ nahm, anstatt mir offen und ehrlich den wahren Grund zu nennen.
Man könnte sogar sagen, dass es eine „Instrumentale Liebe“ war, da Lukas die Beziehung mit einer Bedingung (Sex) verknüpfte. Als ich nicht einwilligte, machte er Schluss. „Instrumentale Liebe“ kann man sich bildlich vorstellen, ich war kein Mensch für Lukas – ich war ein Werkzeug. Seine „Zuneigung“ war die Münze, mein Körper der Automat, der ihm geben sollte, was er begehrte (Sex). Als ich keine Ware (Sex) herausrückte, warf er mich weg wie eine leere Hülle.
In diesem Beitrag möchte ich tiefer auf „Negative Gedankenschleifen und Glaubenssätze“ und auf „Unbewusste Loyalität und Selbstaufopferung“ eingehen.
Bezüglich „Negative Gedankenschleifen und Glaubenssätze“. Da tauchte plötzlich in mir ein Glaubenssatz „Ich muss meine Bedürfnisse unterdrücken, um geliebt zu werden “ auf, und in mir kamen mit diesen Glaubenssatz plötzlich Emotionen hoch – was für mich eine Bestätigung war, dass ich diesen Glaubenssatz in mir trage oder getragen hatte.
Die „Unbewusste Loyalität und Selbstaufopferung“ zeigt sich in meinem Verhalten, dass ich die Ausbildung zum einen wegen Muttern anfing und wegen ihr, obwohl sie mir kein Spaß machte, bis zum Ende durchzog.
Hier wird deutlich, wie tief mein Glaubenssatz “Ich muss meine Bedürfnisse unterdrücken, um geliebt zu werden“ – wer meine Beiträge bis hierhin verfolgt hat, kennt meine lieblose Kindheit – mit meiner selbstaufopfernden Loyalität verwoben ist.

Wie entstehen „negative Gedankenschleifen und Glaubensätze?
Negative Gedankenschleifen und limitierende Glaubenssätze entstehen durch Prägungen, Erfahrungen und unbewusste Übernahmen aus unserem Umfeld. Sie sind wie unsichtbare Programme, die unser Denken, Fühlen und Handeln steuern – oft ohne, dass wir es merken.
Es gibt den Ursprung in der Kindheit: Wenn man einem Kind immer wieder sagt: „Lass es lieber gleich sein, du kannst es eh nicht“ oder ähnliches, dann entwickelt dieses Kind als Person ein geringes Selbstwertgefühl und traut sich nichts zu. Ich weiß wovon ich spreche – diesen Satz habe ich mein halbes Leben immer zu hören bekommen.
Schon im Mutterleib hören wir, was unsere Eltern sagen; wir fühlen unbewusst die Emotion unserer Mutter. Wenn unsere Mutter in der Schwangerschaft Angst hat, es nicht zu schaffen, ein Kind groß zu ziehen, dann können wir daraus schon Glaubenssätze entwickeln.
Im Kindergarten und in der Schule wird uns gesagt, was richtig oder falsch ist, wie etwas funktioniert etc.
Dieses übernehmen wir unbewusst als Glaubenssatz oder Denkweise.
Heute sind es auch sehr viel die Medien, die uns viel Müll erzählen und uns damit unbewusst programmieren.
Auch schmerzhafte Erfahrungen können Glaubenssätze auslösen, denn Glaubenssätze und Gefühle/ Emotionen sind immer miteinander verknüpft.
Glaubenssätze können auch unbewusst durch Familienverstrickungen übernommen werden. Werden wir in eine arme Familie geboren, wo immer gesagt wird: „Wir sind arm, wir bleiben arm“, dann wird Armut unbewusst auch bei uns entstehen, weil wir unbewusst dies glauben, was wir hören.
Glaubenssätze können auch karmisch bedingt sein – durch Erfahrungen aus vergangene Leben. Denn Glaubenssätze und Emotionen sind Energien, und diese sind und bleiben bis zur Auflösung im universellem Energiefeld gespeichert.
Welcher Glaubenssatz begleitet dich seit deiner Kindheit – und wie zeigt er sich heute?
Wie entsteht „Unbewusste Loyalität und Selbstaufopferung“?
Menschen, die sich ständig für andere aufopfern oder in toxischer Loyalität gefangen sind, handeln selten aus freiem Willen – dahinter stecken tiefe Prägungen, oft aus der Kindheit oder alten Leben. Hier die häufigsten Ursachen.
- Bedingungslose Anpassung in der Kindheit
Wenn Liebe oder Anerkennung nur unter bestimmten Bedingungen gegeben wurden (z. B. „Sei brav, dann hab ich dich lieb“), lernt das Kind: „Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden.“ Diese Muster übertragen sich später in Beziehungen oder Jobs – man bleibt, obwohl es einem nicht guttut. - Übernahme von Verantwortung für andere
Besonders in Familien mit Sucht, Gewalt oder emotionaler Instabilität übernehmen Kinder oft die Rolle des „Ersatzpartners“ oder „Friedensstifters“. Sie opfern ihre eigenen Bedürfnisse auf, um Harmonie zu bewahren – und behalten dieses Verhalten im Erwachsenenalter bei. - Angst vor Ablehnung oder Schuldgefühle
Wer als Kind Zurückweisung erlebt hat (z. B. durch einen abwesenden oder kritischen Elternteil), entwickelt oft eine übertriebene Loyalität aus Angst, wieder verlassen zu werden. Auch Schuldgefühle („Wenn ich nein sage, bin ich egoistisch“) spielen eine Rolle. - Identifikation mit der Opferrolle
Wenn Selbstaufopferung in der Familie als „normal“ galt (z. B. eine Mutter, die sich ständig für andere aufrieb), übernimmt man unbewusst diese Rolle. Dahinter steckt oft der Glaube: „Nur wenn ich gebe, bin ich wertvoll.“
Doch nicht nur bei Jobs und Beziehungen wiederholten sich diese Muster. Jahre später erkannte ich: Auch Mutterns Teufelskreislauf aus Ratenkäufen und späterer Privatinsolvenz hatte sich in mir festgesetzt – ohne ein einziges erklärendes Wort, ohne dass ich von ihrem Teufelskreislauf wusste. Wie ein Geister-Erbe, das ich nie bewusst kannte, aber dennoch trug ich es in mir.
Erst als ich selbst im Ratenkauf-Sumpf steckte, begriff ich die stumme Dynamik: Wir lernen Finanzen nicht durch Worte, sondern durch die emotionalen Spuren, die hinterlassen werden. Mutterns heimliches Zittern vor Mahnbriefen. Das Aufblitzen von Scham, wenn sie wieder ’nur auf Pump‘ kaufte. Diese unsichtbaren Botschaften brannten sich tiefer ein als jeder Vortrag über Sparsamkeit.
Und das Tragischste? Selbst die Insolvenz wurde zur Familien-Tradition – ein Erbe, das wir Kinder widerstandslos antraten, als wäre es unser Schicksal. Doch heute weiß ich: Diese Ketten kann man sprengen.
Bei mir kann ich es kurz fassen, was die Gründe sein könnten: Ich bin ein Scheidungskind, mein Vater war Alkoholiker und gewalttätig, und ich wuchs gefühlt komplett ohne Liebe auf. Wie in meinem zweiten Beitrag zu lesen ist, war ich immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Hinzukommt, dass Muttern immer erst an uns Kinder dachte als an sich selbst; sie hatte nie irgendwas für sich getan. Auf gut Deutsch gesagt: Muttern hat sich für ihre Kinder aufgeopfert – aus Angst, irgendjemand könnte denken, sie sei eine schlechte Mutter.
Heute weiß ich: Dieses Aufopfern war ein Überlebensmechanismus – doch ich durfte lernen, dass ich auch ohne Opfer liebenswert bin. Zwar fällt mir ein Nein manchmal noch schwer (dieses helfende Herz lässt nicht locker 😉), aber ich opfere mich nicht mehr auf wie früher. Stattdessen darf der „kleine Egoist“ in mir öfter zeigen: Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig.
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