Wie alles begann
In den Osterferien hatte ich einen Ferienjob in einer Gastronomie als Küchenhilfe angefangen, und nach den Ferien konnte ich auch dort bleiben. Dieser Job machte mir so viel Spaß und Freude, dass Muttern versuchte, mich vorzeitig von der Schule zu bekommen – was leider nicht klappte, da ich meine Pflichtschuljahre noch nicht erfüllt hatte. Somit machte mein Chef mir den Vorschlag, meinen Dienst nach der Schule anzufangen. Also fuhr ich mit dem Schulbus nach der Schule direkt dorthin, und nach der Arbeit brachte mein Chef mich persönlich nach Hause. Über die Auswirkung auf die Schule möchte ich hier nichts mehr sagen. Die Schule war mir eh egal.

Für mich stand fest, dass ich nach dem Schuljahr dort bleiben wollte. Das wollte Muttern dann auf einmal nicht mehr. Der Grund dafür war zum einen, dass damit das Kindergeld für mich dann weggefallen wäre, und zum anderen war das Arbeitsverhältnis für die Sommerzeit befristet – über Winter hätte ich nichts gehabt. Also arbeitete ich bis Ende der Sommerferien bzw. bis zum Beginn meiner Ausbildung noch dort und begann dann die Ausbildung als Verkäuferin.
Während ich in der Gastronomie beschäftigt war, hatte ich auch das Glück, ohne Eintritt durch den Kücheneingang in die Disco zu kommen. Die Disco am Wochenende war, was Muttern anging, wieder eine Sache für sich. Sie hatte mächtig Angst – „was, nachdem, was sie mit Vatern mitgemacht hatte, verständlich war“ –, dass ich zu viel Alkohol trinken bzw. damit ein Problem bekommen könnte. Also rief sie bei meinem Chef an mit der Bitte, mir keinen Alkohol auszuhändigen. Es war sooo was von peinlich! Hatte Muttern eigentlich daran gedacht, dass ich immer mit meiner Freundin und deren volljährigem Freund in der Disco war? Somit hatte er sich um die Getränke gekümmert.
Ich war aber trotzdem immer im Auge meiner Kollegen, vor allem meines Chefs, denn wenn die Polizei zur Razzia auftauchte, holte man mich sofort durch den Kücheneingang raus, da ich erst 15 Jahre alt war.
Ab und zu übernachtete ich am Wochenende dann auch bei meiner Freundin, wo ich ihren Bruder Lukas flüchtig kennenlernte. Als wir dann mal wieder am Wochenende in der Disco waren, kam Lukas zu uns an den Tisch, wo wir uns dann näherkamen – und es funkte. Mein erster fester Freund – bzw., wenn ich Malte mitzähle, war Lukas der zweite Freund, nur kein Schulkamerad. Aufgrund meines Jobs in der Gastronomie sahen wir uns nur am Wochenende oder wenn ich Mittagspause hatte und er vorbeikam, da er in der Nachbarschaft wohnte.

Mit Lukas begann eine neue Beziehung, die mich glücklich machte – doch sie sollte auch eine der schmerzhaftesten Lektionen meines Lebens werden. Mehr dazu im nächsten Beitrag. In diesem Beitrag ist eine Blockade sehr stark: die „ungesunden Bindungsmuster“.
Ungesunde Bindungsmuster beziehen sich auf schädliche oder dysfunktionale Verhaltensweisen und emotionale Muster in zwischenmenschlichen Beziehungen, die oft aus unsicheren Bindungsstilen in der Kindheit resultieren. Diese Muster können zu Konflikten, emotionalem Leid und instabilen Beziehungen führen.
Wie entstehen sie:
Unsichere Bindungserfahrungen in der Kindheit (z.B. Vernachlässigung, unberechenbare Fürsorge)
Traumatische Erlebnisse (z.B. Verlust, Missbrauch)
Gelernte Verhaltensmuster aus früheren Beziehungen
Beispiele für häufige ungesunde Bindungsmuster:
1.Ängstlich-ambivalente Bindung:
Starke Angst vor Verlassenwerden.
Übermäßiges Bedürfnis nach Bestätigung und Nähe.
Neigung zu Eifersucht und Kontrollverhalten.
Schwierigkeiten, allein zu sein.
2. Vermeidende Bindung:
Emotionale Distanzierung und Vermeidung von Nähe.
Unterdrückung von Gefühlen und Abwehr von Intimität.
Tendenz, Beziehungen zu beenden, wenn sie zu eng werden.
3. Desorganisierte Bindung: (Ängstlich-vermeidend)
Widersprüchliches Verhalten (z. B. gleichzeitig Nähe suchen und abweisen).
Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen.
Häufige emotionale Ausbrüche oder Rückzug.
4. Abhängige Bindung (Co-Abhängigkeit)
Übermäßige emotionale Abhängigkeit vom Partner.
Vernachlässigung eigener Bedürfnisse zugunsten des anderen.
Angst, allein oder ungeliebt zu sein.
5. Narzisstische Bindungsmuster
Egozentrische Beziehungsgestaltung.
Mangel an Empathie und emotionale Manipulation.
Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung des Partners.
Meine Geschichte mit Lukas – wenn „Funken“ zur Falle werden
Als ich Lukas in der Disco traf, war da dieses sofortige „Funken“ – ein Gefühl, das ich damals für echte Verbindung hielt. Heute weiß ich: Es war der Beginn eines Musters, das mich jahrelang gefangen hielt.
- Warum ich Intensität mit Liebe verwechselte
In meiner Kindheit gab es keine sichere Liebe. Vatern war alkoholabhängig und gewalttätig, und Muttern war überfordert. Bindung bedeutete für mich:
- Unberechenbarkeit: Heute Schreie, morgen Stille
- Überlebensmodus: Ich lernte, dass „Liebe“ mit Chaos und Schmerz verbunden ist
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Ich gewöhnte mich daran, mich selbst zurückzustellen – um Konflikte zu vermeiden
Als Lukas plötzlich da war, fühlte sich seine intensive Aufmerksamkeit vertraut an – wie das Auf-und-Ab meiner Kindheit. Doch was ich für Nähe hielt, war eigentlich mein ungesundes Bindungsmuster in Aktion:
- Schwierigkeiten, allein zu sein: Ich klammerte mich an ihn, obwohl wir uns kaum kannten
- Unterdrückung von Gefühlen: Ich ignorierte Warnzeichen, weil ich endlich „geliebt“ werden wollte
- Abwehr von Intimität: Gleichzeitig hatte ich Angst, mich wirklich zu öffnen – denn tiefe Nähe fühlte sich gefährlich an
- Die Folgen
Diese Dynamik setzte sich in späteren Beziehungen fort:
- Ich suchte nach kurzen Hochs (wie in der Disco), statt stabile Verbindungen aufzubauen
- Ich ignorierte meine Grenze – so, wie ich es als Kind gelernt hatte
- Der Wendepunkt
Erst als ich meine Vergangenheit verstand, begriff ich: Gesunde Liebe darf ruhig sein.
- Sie braucht keine Dramen,
- respektiert Grenzen,
- und fühlt sich sicher an – nicht wie ein nervöses Kribbeln.
Heute weiß ich: Der „Funke“ mit Lukas war kein Zufall. Es war mein Herz, das nach dem suchte, was es kannte – nicht nach dem, was es brauchte.
An alle, die ähnliche Muster kennen:
Ihr seid nicht allein. Der erste Schritt ist nicht, „bessere“ Beziehungen zu finden – sondern zu verstehen, warum ihr euch in diesen Mustern wohlfühlt. Die Antwort liegt oft in dem kleinen Mädchen oder Jungen, das ihr einmal wart.

Hinterlasse einen Kommentar