
Die Schule war mir inzwischen so was von egal gewesen, dass ich eines Tages mit meiner gleichaltrigen Nachbarin – „die auf einer anderen Schule ging“ – die Schule geschwänzt habe und mit ihr in der Feldmark und den Pferdeställen abhing. Dieser eine geschwänzte Schultag war auch der Tag, an dem ich dann durch meine Nachbarin mit dem Rauchen anfing.
Unsere Aktion „Schule schwänzen“ blieb allerdings nicht ohne Folgen. Als ich zur gleichen Zeit wie immer nach Schulschluss nach Hause kam, war die Luft zu Hause so dick, dass man sie schneiden konnte. Muttern wusste schon, dass ich die Schule geschwänzt hatte – bis heute weiß ich allerdings nicht, woher, da wir uns nur dort aufhielten, wo uns so schnell keiner sah.
Das schöne aber war: Muttern wusste, dass wir die Schule geschwänzt hatten. Da sie aber selber rauchte, hatte sie nichts von den Zigaretten gerochen und hat es auch nie mitbekommen, dass ich geraucht hatte. Wenn sie mal dahinter kam, dann nur, weil mein Nachbar die Zigaretten in den Feuerwehrstiefeln von meinem Bruder gefunden und uns verpetzte hatte. Außer einem Verbot ist da nichts passiert, und Verbote waren zu der Zeit bekanntlich dazu da, um gebrochen zu werden.
Blockaden und ihre Auswirkung:

Durch die Reaktion meiner Mutter und das Gefühl, erwischt zu werden,
haben sich bei mir Blockaden von Schuld – und Schamgefühlen gebildet, die sich tief in meinem Unterbewusstsein verankert haben.
Die Auswirkung davon ist, dass ich mich in Situationen, in denen ich Fehler gemacht hatte, immer stärker geschämt und auch Schuldgefühle hatte. Die Folge davon war auch, dass ich in solchen Situationen, anfing an mir selber zu zweifeln.
Durch die Konfrontation mit meiner Mutter und das Gefühl, dass meine Handlungen Konsequenzen haben könnten, hatte sich eventuell auch eine Angst vor Autoritätspersonen gebildet.
Diese Aktion des Schule-Schwänzens und die Konsequenzen hatten auch meine Abenteuerlust und die Neugierde, etwas Neues zu wagen, blockiert. Denn wenn ich etwas Neues wage, könnte es sein, dass es falsch ist und es wieder Konsequenzen mit sich zieht. Was zur Folge hatte, dass ich bewusst nur schwer neue Erfahrungen machen konnte.
Auch wenn ich immer den Spruch rausgelassen hatte „Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden“, war ich eine Person, die sich in vielen Dingen – vor allem, wenn es um öffentliche Dinge ging – immer streng an Regeln gehalten hatte. Ich hätte damals NIE an Demonstrationen teilnehmen können, wenn diese öffentlich verboten waren.
Doch bei Regeln, die ich heimlich brechen konnte, wie zum Beispiel das Rauchen, da hatte ich keine Probleme, die Regeln zu brechen.
Vertrauensprobleme:

Dann war da die Sache mit meinem Nachbarn, der uns immer bei Muttern angeschwärzt hatte, wenn er unsere Zigaretten gefunden hatte. Ich war inzwischen in einem Alter, in dem mir das Aussehen einer männlichen Person nicht mehr ganz egal war. Und so war es auch bei meinem Nachbarn – er hatte etwas an sich, was mir gefiel, und hinzukam, dass ich mich irgendwie immer gut mit ihm unterhalten konnte, zumindest bis zu dem ersten Mal, als er uns verriet.
Doch durch die Tatsache, dass er uns immer wieder bei Muttern anschwärzte, hatte ich das Vertrauen in ihn verloren – und nicht nur in ihn. Ich fing an, mich noch mehr zu verschließen, und vertraute mich niemandem mehr an, egal worum es ging. Ich hatte Angst, wieder auf irgendeine Weise verletzt zu werden.
Fragen und Antworten zu meinen Blockaden
Wenn man mich heute fragen würde:
- Schuld- und Schamgefühle: Gibt es Situationen, in denen ich mich heute noch schuldig oder beschämt fühle? Dann würde ich sagen, es hängt davon ab, wie schwerwiegend es ist. Je größer die Situation, desto schuldiger fühle ich mich. Dennoch bin ich inzwischen ein Mensch, der sich nicht mehr dafür schämt, denn Fehler sind menschlich, und ich habe gelernt, zu meinen Fehlern stehen zu können.
- Angst vor Autorität: Nein, wirklich Angst nicht mehr. Je nach Situation kann eine Nervosität auftreten, allerdings bin ich inzwischen auch in der Lage, einer solchen Person meine Meinung zu sagen. Dafür musste ich aber keine Strategie entwickeln, es hat sich mit der Zeit selbst ergeben. Je mehr Blockaden sich in mir gelöst haben, desto freier wurde ich.
- Suchtverhalten: Die meisten Süchte habe ich erfolgreich hinter mich lassen können, und auch hierfür musste ich bewusst nichts machen – es hat sich alleine ergeben, je freier ich innerlich von den Blockaden wurde.
- Vertrauensprobleme: Fragt man mich: Gibt es Menschen, denen ich voll und ganz vertrauen kann, oder halte ich mich eher zurück? Ja, es gibt Menschen, denen ich voll und ganz vertrauen kann. Dennoch halte ich mich stark zurück, was aber keine Vertrauensfrage mehr ist, sondern weil ich gelernt habe, vieles mit mir selber auszumachen. Solche Muster, auch wenn sie nicht mehr blockieren, bekommt man nicht mehr so leicht raus.
- Unterdrückte Neugierde und Abenteuerlust: Bei Neugierde unterscheide ich hier zwischen Neugierde und Wissbegierde. Neugierig bin ich nicht, denn der Begriff „Neugierde“ erinnert mich immer an meine Stiefoma, die immer genau aufgepasst hatte, was die Nachbarn trieben. Ich bezeichne es gerne als wissbegierig. Abenteuerlust? Das hängt ganz von der Situation ab. Etwas Neues wagen? Ja, ich habe es geschafft, den Blog hier anzufangen. Wären meine Enkelkinder nicht dazwischengekommen, dann wäre ich eventuell auch ausgewandert und hätte irgendwo komplett neu angefangen. Aufgrund meiner Enkelkinder konnte ich es nicht mehr.
- Regeln und mein heutiges Verhältnis dazu: Naja, generell hängt ein Regelverstoß davon ab, ob ich andere gefährde oder in etwas hineinziehe. Das heißt, dass ich nicht bei Rot über eine Ampel fahre oder bewusst die Geschwindigkeit überschreite. Im Straßenverkehr ziehe ich es vor, mich an die Regeln zu halten, da ich hier sonst andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen könnte. Aber bei Situationen, wo ich niemanden gefährde, da verstoße ich auch schon mal gerne, da wir mittlerweile in einem System leben, was nur noch aus Regeln, Paragrafen und Gesetzen besteht. Von einer wirklichen Freiheit kann man hier, meiner Ansicht nach, nicht mehr reden. Wie seht ihr das?
Abschluss meiner Blockaden-Analyse:

Dies war der letzte Beitrag, in dem ich mein Leben und meine Blockaden analysiert habe. Viele meiner Erlebnisse haben nicht nur neue Blockaden ausgelöst, sondern auch bereits bestehende verstärkt – Ängste wurden intensiver, und hin und wieder kamen neue Einschränkungen hinzu. Für mich war das Verstehen dieser Blockaden der wichtigste Schritt, um zu begreifen, warum mein Leben so verlief, wie es verlief.
Falls auch du ähnliche Erfahrungen gemacht hast und dich fragst, welche Blockaden sich in dir ausgelöst haben könnten, lade ich dich ein, mir über die Kontaktseite zu schreiben. Gemeinsam können wir herausfinden, wie du diese Muster erkennen und verstehen kannst – denn das Verstehen ist oft der Schlüssel, um neue Wege zu gehen.
Meine Lebensreise wird weitergehen. Wie bereits erwähnt, werde ich in den nächsten Beiträgen genauer auf die Arten der Blockaden eingehen, damit du diese besser verstehen kannst.
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