
Mein Erlebnis mit Andreas.
Ich weiß heute nicht mehr, wie alt ich bei diesen Erlebnissen war.
Ich war mal mit meiner Cousine am Kanal und wir trafen dort zwei Jungs. Der eine hieß Andreas – den Namen habe ich bis heute nicht vergessen. Es waren Urlauber, und sie kamen aus Süddeutschland.
Wie man als Kind bez. heranwachsender Jugendlicher so ist, geht man auf Entdeckungsreise. Wir sind mit den beiden zum Fischerboot gegangen, wo noch Aale im Boot schwammen. Ich hatte es mit der Hand geschafft, einen Aal herauszufischen, der stolze 30 cm lang war.
Danach trafen wir uns jeden Tag mit den beiden. Andreas hatte etwas an sich, was ich nicht erklären konnte – ich mochte ihn total gerne. Leider nicht nur ich, sondern auch meine Cousine, was mich doch etwas verärgert hat. Heute kann ich auch sagen: Ich war extrem eifersüchtig.
Meine Cousine war jemand, die ganz anders auf Jungs zu ging als ich. Sie gehörte nicht zu den schüchternen Mädels.
Als der Tag kam, an dem die beiden wieder abreisten, war ich sehr traurig. Ich hatte mir immer gewünscht, ich würde ihn irgendwann wiedersehen. Leider habe ich nie wieder etwas von ihm gehört.
In diesem Ereignis,
da ich – wie auch bei meinem Opa – das Gefühl hatte, gesehen zu werden, ist in mir irgendwann ein Bedürfnis nach Anerkennung entstanden. Durch dieses unbewusste, starke Bedürfnis nach Anerkennung hat die Meinung anderer einen starken Einfluss auf mein Selbstbild gehabt. Wenn ich zurückblicke, habe ich immer sehr viel Wert auf die Meinung anderer gelegt. Es gab auch eine Zeit, in der ich sehr viel Wert auf Perfektionismus gelegt hatte.
In diesem Ereignis wurde ich das erstmal mit der Eifersucht konfrontiert. Ich bin noch nie wirklich jemand gewesen, der eifersüchtig oder neidisch auf andere war. Allerdings muss ich gestehen, es gab viele Situationen, in denen ich so sein wollte wie andere, das können wollte, was andere konnten. Und ich hatte aus diesem Grund auch vieles angefangen, bis meine Selbstzweifel mich wieder vom Weg abbrachten. Ich hatte irgendwie immer das Gefühl gehabt, kämpfen zu müssen um etwas zu erreichen, damit andere mich wahrnehmen.
Durch die Blockade des Festhaltens an der Vergangenheit – ich tat es bei Opa, als er starb, und auch bei Andreas – hatte ich an der Vergangenheit festgehalten. Kann es vorkommen, dass man Schwierigkeiten hat, die Gegenwart zu akzeptieren. Man fängt unbewusst an, nach alten, gewohnten Mustern zu suchen und hängt viel in der Vergangenheit fest. Und wenn wir in der Vergangenheit festhängen, dann ziehen wir sie auch an. Dazu später mehr.

Wie ich in einem vorherigen Beitrag erwähnte,
war ich jemand, der viel alleine unterwegs war. Ein paar Jahre später traf ich einen Jungen, den ich mochte. Die Gefühle waren allerdings nicht so intensiv wie die bei Andreas.
Ich weiß heute nicht mehr, wodurch genau ein Kontakt zwischen uns entstand. Wir unterhielten uns viel, trafen uns täglich, soweit es von seiner Familie erlaubt war, denn irgendwann erfuhr ich, dass er aus Berlin zu Besuch hier war.
Bei diesen Jungen machte ich tatsächlich mal den ersten Schritt und wurde dann in gewisser Weise abgewiesen. Aus heutiger Sicht gesehen: Wie hätte etwas entstehen sollen, da auch er nur ein Urlauber war? Dennoch – mein Selbstvertrauen hatte einen Knacks erlitten.
Wenn ich über meine Vergangenheit von diesem Abschnitt nachdenke und es reflektiere, könnte ich diesmal fast sagen, dass dieses Ereignis nicht sehr viel an Blockaden ausgelöst hat.
Das, was hier allerdings zutrifft, ist, dass ich mich immer gerne klein gemacht habe. Meine Lieblingsbezeichnung war immer für mich „meine Wenigkeit“. Ich hatte mich selber immer als Wenigkeit bezeichnet und mich damit automatisch klein gemacht und kein gehalten.
Aus Angst vor Ablehnung und um eine Ablehnung zu vermeiden, hatte ich mich auch nie authentisch gezeigt. Ich hatte mich nie wirklich so gezeigt, wie ich bin – wie ich von Natur aus bin.
Und meine bereits bestehende Blockade, meine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und mehr an andere zu denken, wie auch meine Schutzmauer, um mich vor Schmerzen und Ablehnung zu schützen, wurde weiter gefüttert und verstärkt.

Urlaub in Südtirol und der Kofferverlust
Im Juli 1985, da war ich 14 Jahre, ich war vom Kreisjugendring in Südtirol/ Italien. Dieser Urlaub fing wunderbar an. Als wir in Sterzing am Bahnhof aussteigen mussten, wollte ich meinen Koffer mitnehmen. Eine der Betreuerinnen bat mich, meinen Koffer stehenzulassen und draußen die Koffer, die aus den Fenstern gereicht wurden, entgegenzunehmen, was ich auch tat.
Nachdem wir dann alle Koffer aus dem Zug hatten, fiel mir auf, dass mein Koffer war nicht dabei war. Somit begann die vergebliche Suche nach meinem verlorenen Koffer. In diesem Koffer war mein Minirock, den ich mir von meinem Konfirmationsgeld gekauft hatte. Der Koffer war nicht mehr aufzufinden; er ist trotz Adressschild auch nie zu Hause angekommen. Alles im Koffer weg. Das Einzige, was nicht im Koffer war, war mein Taschengeld, denn dies mussten wir vor der Abfahrt an die Betreuer abgeben. Die Betreuer hatten sich darum gekümmert, dass ich Ersatzkleidung bekam.
Ich muss gestehen, auch wenn ich erst 15 Jahre alt war und alle Unterstützung der Betreuer hatte, war der erste Moment, als wir den Verlust meines Koffers bemerkten, doch eine immense Herausforderung. Zumal in den Koffer mein Minirock war, den ich mir selber gekauft hatte, da wir ansonsten – wie im vorherigen Beitrag erwähnt – viele gebrauchte Kleider trugen.
In diesem Urlaub in Südtirol, lernte ich einen Jungen kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb super. Ich weiß heute nicht mehr, ob er auch Urlauber oder einheimisch war. Wir verbrachten so viel Zeit miteinander, wie wir konnten. Die Gefühle zu diesem Jungen waren noch intensiver als die zu Andreas ein paar Jahre zuvor. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart geborgen.
Dann kam der Tag der Abreise, und ich kann sicher sagen: Wäre ich volljährig gewesen, ich wäre in Südtirol geblieben. Die Abreise fühlte sich an, als würde man mich von meinem Zuhause wegreißen. Immer wenn ich mit dem Jungen zusammen war, fühlte ich mich irgendwie wie zu Hause. Was ich von meinem wirklichen Zuhause nie behaupten konnte.
Mit der Abreise hatte ich nicht nur einen materiellen Wert verloren, was den selbstbezahlten Rock angeht und das Gefühl, auch mal etwas Neues tragen zu können. Nein, ich verlor emotional auch das Gefühl eines Zuhauses. Eine Freude, wieder nach Hause zu fahren, war bei mir nicht gewesen. Im Gegenteil – in mir entstand ein Gefühl der Sehnsucht und Fernweh.
Diese Liebe, dieses Gefühl der Liebe, ist nie wirklich in Vergessenheit geraten.
Es wurden im Laufe der Jahre immer mehr Erfahrungen im Herzen auf dieses Gefühl gelegt und dadurch nur begraben. Seit diesem Urlaub hatte ich jahrelang immer in meinem Herzen das Gefühl gehabt, es fehlt etwas oder jemand. Es war ein Gefühl, als würde ein Puzzleteil fehlen.
Ich konnte immer fühlen: Es gibt da draußen einen ganz bestimmten Mann. Und obwohl ich zu der Zeit die bedingungslosen Liebe nicht kannte, geschweige denn von ihr gehört hatte, verband ich dieses Gefühl und den Mann immer mit der bedingungslosen Liebe. Doch auch dieses Gefühl wurde zwischenzeitlich durch Erfahrungen und Beziehungen im Herzen vergraben. Erst nach meiner Ehe kam diese Erinnerung gelegentlich durch meine Andenken von Südtirol wieder hoch.
Bei diesem Erlebnis hat sich in mir eine Blockade gebildet.
Durch den Verlust – diesmal war es ein Verlust eines Zuhauses, da ich in seiner Gegenwart irgendwie das Gefühl von Zuhause hatte, ein Gefühl von Geborgenheit, welches ich im wirklichen Zuhause nie erlebte – suchte ich unbewusst in Partnerschaften dieses Gefühl von Geborgenheit und Heimat.
Dann der Verlust meines Koffers bzw. meines Rockes. Das war nicht nur ein materieller Verlust, sondern auch ein emotionaler, da ich mir den selbst gekauft hatte und in einer anfangs fremden Umgebung, da ich auch schnell unter Heimweh litt, etwas Vertrautes gehabt hätte.
Dieser Verlust kann dazu geführt haben, dass ich unbewusst eine Überzeugung, eine Denkweise aufgebaut habe, dass ich alles, was mir lieb und wichtig ist, wieder verlieren würde. Und ich muss gestehen, mein Leben verlief tatsächlich so, dass ich ganz oft, wenn ich etwas liebgewonnen hatte, es wieder verlor. Diese Denkweise kann auch der Grund sein, dass es mir schwer fiel Vergangenes loszulassen, und ich immer zu sehr an Vertrautem festhielt.
Hier zeigt sich die Kraft unserer Gedanken – aber dazu komme ich später noch.

Das Gefühl des fehlenden Puzzleteils und die Suche nach der bedingungslosen Liebe in mir, kann in mir eine unerfüllte Sehnsucht geweckt haben.
Weil ich ständig das Gefühl hatte, dass etwas oder jemand in mir fehlt, war ich – ohne es mir bewusst zu machen – auf der Suche nach diesem Jemand oder etwas. Da ich dieses fehlende Puzzleteil und die bedingungslose Liebe nie fand, könnte das ein Grund dafür sein, warum ich fast immer die Beziehungen beendet habe.
An dieser Stelle möchte ich noch etwas hinzufügen, worauf ich zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingehen werde: 2021 lernte ich über Facebook einen Mann kennen. Nach unserem ersten Telefonat hatte ich am nächsten Tag in meinem Herzen das Gefühl, als wäre ich vollständig. Das gefühlte fehlende Puzzleteil war plötzlich an seinem Platz.
In meinen Beiträgen habe ich immer von Blockaden gesprochen – emotionalen Blockaden sowie den unsichtbaren Verbindungen zu liebevollen Personen, die blockieren können.
Es gibt jedoch auch andere unsichtbare Verbindungen und Blockaden, die einen großen Einfluss auf uns und unser Leben haben können.
Dazu zählen:
> Karmische Verbindungen
> Emotionale Blockaden
> Familienverstrickungen
> Seelenverträge
> Energetische Schnüre oder Bindungen
> Ungeklärte Seelenpartnerschaften
> Negative Gedankenschleifen und Glaubenssätze
> Unverarbeitete Emotionen
> Ungesunde Bindungsmuster
> Unbewusste Loyalität und Selbstaufopferung
> Seelenfamilien und Seelengefährten
> Wiederkehrende Lektionen und Muster
> Anhaftung negativer Energien
Damit ihr die einzelnen Blockaden besser verstehen könnt, werde ich die Blockaden in den nächsten Beiträgen genauer beschreiben.
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