
Durch ein Ereignis in meiner Kindheit, als Muttern und Vatern noch zusammenlebten und die Welt in Ordnung schien. Sie hatten einen Hausverkauf von alkoholischen Getränken, überwiegend Bier. Zu den Zeiten damals war es noch ohne große Anmeldungen und Co. erlaubt. Da nahm ich einmal 5 DM zum Spielen aus der Kasse. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, zumal ich auch noch recht klein war und noch kein wirkliches Verständnis von richtig oder falsch hatte, aber ich bekam von Muttern sowas von auf den nackten Hintern, dass ich dieses Ereignis mein Leben lang nicht mehr vergessen hatte.
Aus meiner heutigen Sicht, wo ich ein Verständnis von falsch und richtig habe und heute generell so eine Tat nicht für richtig heiße, kann ich aber auch heute noch sagen: In dem Alter, in dem ich mich befand, finde ich, dass Muttern ihre Reaktion übertrieben war, zumal dieses Erlebnis einen sehr starken Einfluss auf eine lange Zeit meines Lebens hatte. Denn ich fing irgendwann, sprichwörtlich, an, lange Finger zu machen. Auf Deutsch gesagt: Ich fing an zu klauen/zu stehlen. In Geschäften hatte ich alles, was möglich war, eingesteckt. Dadurch, dass ich nie erwischt wurde, entstand in mir ein gewisser Kick, ein Reiz, es tun zu müssen.
Nicht nur die Geschäfte waren vor mir nicht sicher – nein, es reizte mich auch, bei Nachbarn Geld einzustecken. Wenn Muttern mitbekam, dass ich etwas Neues hatte, dann habe ich gelogen und gesagt, ich habe es geschenkt bekommen oder das Geld gefunden, und sie hatte es immer geglaubt.

Eines kann ich ganz sicher sagen:
Stolz bin ich auf meine Vergangenheit, meine Taten gewiss nicht. Mit meinem heutigen Wissen kann ich sagen, dass der wahre Grund, warum ich es tat, die Suche nach Aufmerksamkeit war. Irgendwo in mir hoffte ich immer, erwischt und dann bestraft zu werden, wie bei den 5 DM. Denn Strafe ist auch eine Art Aufmerksamkeit, die man bekommen kann. Ich weiß, es klingt irgendwie bescheuert, doch als Kind macht man wirklich bescheuerte Dinge, nur um einen Funken an Aufmerksamkeit zu bekommen.
Gewisse Kontakte in der Schule förderten dieses Verhalten auch noch in mir, und irgendwann wurde aus der Suche nach Aufmerksamkeit eine Sucht, von der ich nur schwer weggekommen bin. Erst im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, als ich zu Hause ausgezogen bin, habe ich mich durch das Verständnis, dass es nicht richtig war, irgendwie von dieser Sucht befreien können. Nachdem ich zu Hause ausgezogen bin, hatte ich allerdings auch unbewusst aufgehört, nach Aufmerksamkeit zu suchen.
Rückblickend war es eine schwierige Zeit,
aber ein notwendiger Schritt, der mir half, meine Vergangenheit zu akzeptieren und an mir zu arbeiten. Aus heutiger Sicht, wenn ich noch einmal in diese Zeit zurückgehe, kann ich auch sagen, es war eine Zeit, in der ich in gewisser Hinsicht einen Entwicklungsprozess durchmachte, zu dem, was ich heute bin. Da ich immer öfter das Gefühl bekam: Es gibt eine höhere Macht über uns. Ich hatte damals noch nicht den Glauben, den ich heute habe.
Und vor allem hatte ich damals nie dieses Gefühl, mit Gott verbunden zu sein. Ich konnte zeitweise nur diese höhere Macht als machtvolle Energie wahrnehmen, dachte dabei aber nie an Gott. Das liegt möglicherweise daran, dass ich nicht christlich aufgewachsen bin und auch keine Ahnung von alldem hatte, zumal die Schulen einem auch nur das lehren, was in der Bibel steht.
Allerdings hat dieses Ereignis nicht nur die Folge einer Kleptomanie. Diese Erfahrung und die fehlende Liebe und Geborgenheit in meiner Kindheit ließen in mir das Bedürfnis wachsen, in Beziehungen nach emotionaler Sicherheit und Geborgenheit zu suchen – etwas, das mir als Kind verwehrt blieb. Unbewusst war ich in Beziehungen immer auf der Suche nach dem Gefühl, Zuhause anzukommen. Aber auch diese Suche entstand durch einer Blockade.

Um mich vor Schmerzen zu schützen,
hatte ich in mir bzw. um mein Herz unbewusst auch eine emotionale Mauern errichtet. Diese Schutzmauer half mir zwar, emotionale wie auch körperliche Schmerzen zu vermeiden, aber sie erschwerte es gleichzeitig, tiefe emotionale Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Die Nähe, die ich mir in Beziehungen immer wünschte, blieb dadurch oft unerfüllt, weil meine Schutzmauer auch die wahren Gefühle abwehrte – da, durch tiefere Gefühle auch stärkere Schmerzen auftreten können.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?
Unser ganzes Leben machen wir auf unserem Weg gewisse Erfahrungen.
Wir erleben, wie jemand stirbt, wir sind auf jemanden wütend, erleiden durch einen Unfall einen Schock und vieles mehr. All solche Erlebnisse, wenn sie nicht verarbeitet werden, hinterlassen in uns Emotionen, die sich im Körper und Geist festsetzen.
Diese emotionalen Blockaden können den Körper krank machen. Sie können unser Leben aber auch auf andere Weise beeinträchtigen, indem wir eventuell immer an die falschen Leute/Partner geraten, Jobs finden, die uns nicht wirklich Spaß machen, oder nie ausreichend Geld verdienen, egal wie viel wir arbeiten. Oder wir können von Anfang an gar nicht mit Geld umgehen und geraten in einen sogenannten Teufelskreislauf, in dem wir immer wieder aufs Neue Schulden machen.
Ich weiß, wovon ich berichte. Nachdem ich es geschafft habe, einige emotionale Blockaden loszulassen, bin ich in die Privatinsolvenz gegangen. Es war keine leichte Entscheidung, doch hat die Insolvenz mir geholfen, den sogenannten Teufelskreislauf zu durchbrechen.
Neben den emotionalen Blockaden werden wir schon im Mutterleib von Glaubenssätzen und Denkmustern geprägt.
Die Glaubenssätze und Denkmuster werden uns unbewusst auferlegt – durch unsere Eltern, die Politik, die Schulen, es fängt schon im Kindergarten an, die Medien und vieles mehr. Jeder will uns erzählen, was richtig und falsch ist. Die Medien liefern uns prinzipiell immer Berichte, die in uns Ängste schüren, uns zeigen, wie schlecht die Welt doch sei; sie lügen und manipulieren.
Oder wir übernehmen unbewusst von Personen, mit denen wir längere Zeit oder unser Leben zusammenleben (Eltern, Geschwister, Partner …), deren Glaubenssätze und Denkweisen.

Ein prägnantes Beispiel für negative, unsichtbare Verbindungen:
Stellen wir uns eine frühere Beziehung vor, die schmerzhaft endete. Auch wenn wir uns räumlich und zeitlich längst von dieser Person entfernt haben, kann es sein, dass wir gedanklich immer wieder in diese Beziehung zurückkehren. Gefühle wie Groll oder unerfüllte Sehnsucht schaffen eine unsichtbare Verbindung, die uns innerlich belastet und blockiert, selbst wenn wir äußerlich weitergehen.
Wenn wir noch im Mutterleib sind, hören wir nicht nur die Worte in der Außenwelt – nein, wir können auch die Gedanken unserer Mutter wahrnehmen. Denn wenn unsere Mutter während der Schwangerschaft immer an sich zweifelt und immer wieder denkt: „Ich kann es nicht, dafür bin ich doch viel zu doof,“ dann kann ein Embryo dieses Denken übernehmen. Wenn ein Kind eventuell ungewollt entstanden ist, dann fühlt sich dieses Kind später eventuell nicht erwünscht, nicht geliebt …
Oder wir bekommen immer wieder von jemandem gesagt: „Lass es lieber gleich sein, das kannst du eh nicht,“ dann übernehmen wir unbewusst den Glaubenssatz „Ich kann das nicht.“ Unser menschliches System ist voll von unbewussten Glaubenssätzen, die unser Leben beeinträchtigen.
Des Weiteren gibt es auch noch negative, unsichtbare Verbindungen.
Dies sind oftmals emotionale Verbindungen zu Personen, die wir kannten und die nicht gut waren, z.B. ehemalige Partner, Eltern, Geschwister oder andere wichtige Menschen, die auf irgendeine Weise für eine gewisse Zeit in unserem Leben waren. Wenn wir an solchen Personen noch immer emotional gebunden sind, sie nicht loslassen können oder wollen, dann kann es dazu führen, dass wir uns energetisch ausgelaugt, kontrolliert oder gebunden fühlen.
All diese Blockaden können auch zu unbewussten Verhaltensmustern und Gewohnheiten führen, die wir unbewusst und automatisch ausführen, wie z.B. Perfektionismus, Aufschieberitis, Vermeidungsverhalten oder das Bedürfnis, über alles die Kontrolle haben zu müssen. Es gibt gewiss noch mehr Blockaden, die mir gerade nicht bekannt sind. Doch all diese Blockaden hindern uns daran, uns zu unserem höchsten Potenzial entwickeln zu können. Wir werden nie das Leben leben können, das wir gerne leben möchten.
Jede dieser Blockaden kann durch innere Arbeit, Selbstreflexion, Therapie oder spirituelle Praktiken (wie Meditation, Achtsamkeit, spirituelle Heiler …) gelöst oder zumindest gelockert werden. Der erste Schritt zur Auflösung dieser Blockaden ist aber das Bewusstsein darüber, dass sie existieren, und die gewillte Bereitschaft vom Verstand, sie auflösen zu wollen.
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